
- Krabben für die bissigste Rezension - Serene Vannoy
Ein guter Verriss will gekonnt sein – das denkt sich zumindest die britische Website The Omnivore, die mit dem “Hatchet Job” einen neuen Kritikerpreis ins Leben gerufen hat, um die niederschmetternsten Rezensionen auszuzeichnen.
Als "hatchet job" bezeichnet man einen bösen, kritischen Angriff, und während man dazu im Englischen ein Beil oder eine kleine Axt nimmt, kommt das deutsche Absägen dem Ausdruck wohl am nächsten.
Was ist der Hatchet-Job-Preis für Literaturkritik?
Laut Darstellung auf der Omnivore-Website, ist der “Hatchet Job of the Year”-Preis ein “Feldzug gegen Langeweile, Rücksicht und träge Denkweisen.” Zudem soll er Kritiker auszeichnen, “die den Mut haben, an gängigen Meinungen zu wackeln und dies mit Stil zu tun.” Zudem will er “vor allem eine öffentliche Freudenfeier der unterbezahltesten und unterbewertesten Form des Journalismus” sein: der Rezension.
Auf jeden Fall darf man gespannt sein, denn einfühlsam wird mit den betroffenen Werken und Autoren bestimmt nicht umgegangen, schließlich soll die “böseste, witzigste und bissigste” Kritik der letzten zwölf Monate ausgezeichnet werden. Die Jury besteht aus den bekannten (und gefürchteten?) Literaturkritikern Suzi Feay, Rachel Johnson, Sam Leith und DJ Taylor.
Wer hat es auf die Hatchet Job Shortlist geschafft?
Die engere Auswahlliste für den ersten Hatchet Job des Jahres wurde bereits am 10. Januar in der britischen Tageszeitung The Guardian bekannt gegeben; die Preisverleihung wird am 7. Februar sein. Die folgenden acht Literaturkritiker und ihre Rezensionen haben es in die engere Auswahl geschafft:
- Mary Beard über “Rome” von Robert Hughes, veröffentlicht in The Guardian
- Geoff Dyer über “The Sense of an Ending” (“Vom Ende einer Geschichte”) von Julian Barnes, veröffentlicht in The New York Times
- Camilla Long über “With the Kisses of His Mouth” by Monique Roffey, veröffentlicht in The Sunday Times
- Lachlan Mackinnon über” Clavics” von Geoffrey Hill, veröffentlicht in The Independent
- Adam Mars-Jones über “By Nightfall” (“In die Nacht hinein”) von Michael Cunningham, veröffentlicht in The Observer
- Leo Robson über “Martin Amis: The Biography” von Richard Bradford, veröffentlicht im New Statesman
- Jenni Russell über “Honey Money: The Power of Erotic Capital” (“Erotisches Kapital: Das Geheimnis erfolgreicher Menschen”) von Catherine Hakim, veröffentlicht in The Sunday Times
- David Sexton über “The Bees” von Carol Ann Duffy, veröffentlicht im London Evening Standard
Was bezweckt der neue “Hatchet Job” Kritikerpreis?
Wäre die Meldung über den Hatchet-Job-Preis am 1. April eingegangen, wäre die Sache klar: ein Aprilscherz. Anna Baddeley, Herausgeberin von The Omnivore, meint die Auszeichnung aber durchaus ernst, denn sie soll “die professionelle Kunst der Kritik” steigern, die durch eine zunehmende Anzahl von "Buch-Blogs und Amazon-Rezensionen” gefährdet sei. Rezensionen sollen nicht nur informieren, sondern auch unterhalten.
Zudem soll der Preis “Ehrlichkeit und Witz” des Kulturjournalismus fördern. Schluss mit Rezensionen also, die aus Ehrfurcht vor der Bekanntheit eines Autoren oder seines/ihres literarischen Werks Schwachstellen größzügig übersehen. Der Hatchet-Job-Preis richtet sich auch gegen langweilige Buchbesprechungen oder schlimmer noch, kommerziell motivierte, die bestenfalls reine Inhaltsangaben und schlimmstenfalls dürftig verschleierte Pressetexte sind.
Was beinhaltet der Hatchet-Job-Preis?
So gesehen zeigt sich tatsächlich eine Notwendigkeit der Auszeichnung von Rezensionen, die kein Blatt vor den Mund nehmen. Und dies zudem kunstvoll und angemessen tun. Dass die Auszeichnung vielleicht doch eher mit einem Augenzwinkern entgegen genommen werden sollte, lässt sich am Preis für den Gewinner ablesen. Er wurde nämlich vom Online-Fischhändler The Fish Society gestiftet und besteht aus einer Jahresration Garnelen.
Denn Garnelen sind The Omnivores beliebteste Allesfresser unter den Tieren. Na dann, fröhliches Krabbenpulen! Vegetarier unter den Rezensenten sollten sich schon einmal überlegen, was sie im Fall eines Gewinns mit der ganzen Ration machen.
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